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Busworld Kortrijk 2011
Allzeit verfügbare und aktuelle Passagierinformationen

Hans-Joachim Reich,
Geschäftsführer LAWO Informationssysteme GmbH

Neuer und innovativer 29‘‘ Stretched-TFT für Bus- und Bahnanwendungen für die Darstellung von Linienverläufen, Netzplänen, Live-Informationen wie Wetter, Nachrichten, Sportnews und Werbung (Bilder: LAWO).

Nahverkehrspraxis: Herr Reich, im letzten Jahr ist die Luminator Technology Group als Beteiligung der Levine Leichtman Capital Partners neu gegründet worden. Zuvor war das Unternehmen Teil von MARK IV Industries. Im September 2010 haben Sie wieder die Geschäftsführung der LAWO Informationssysteme GmbH übernommen, die ihren Sitz in Deutschland hat und ein Teil der Luminator Technology Group ist. Welche entscheidenden
Neuerungen hat es seit dem Eigentümerwechsel aus Ihrer Sicht bei LAWO gegeben – sowohl im Produktbereich als auch personell?
Reich: Wir sind sehr froh in Levine Leichtman Capital Partners (LLCP) einen Investor gefunden zu haben, der uns mit dem nötigen Kapital ausstattet, um gesund wachsen zu können. Wir sind mit dem Verkauf an LLCP und Gründung der Luminator Technology Group
(LTG) selbständig geworden und stehen jetzt auf eigenen Füßen. Das war bei MARK IV nur bedingt der Fall. Die LTGFirmengruppe, die aus Luminator, Focon und LAWO besteht, ist weltweit einer der größten Hersteller von Fahrgastinformationssystemen. LLCP hat ein
strategisches Interesse daran, dass wir gesund wachsen und fördert dies indem Geld für weitere Akquisitionen bereitsteht. Personell steht LLCP für Kontinuität: Unser CEO und Präsident war und ist seit langen Jahren Herr Avi Zisman.
 
Nahverkehrspraxis: Für Ihre Kunden ist Kontinuität bei Qualität und Service auch nach der Neugründung des Unternehmens sicherlich besonders wichtig. Wie können Sie diese Kontinuität gewährleisten?
Reich: LAWO ist am Markt für seinen schnellen und guten Service bekannt und wird hierfür auch äußerst geschätzt. Trotz des Hypes um anonymes Internetshopping werden bei unseren erklärungsbedürftigen Produkten die Geschäfte noch immer zwischen Menschen gemacht. Ich will jedoch nicht verschweigen, dass bei den Verkehrsbetrieben auch hier der Trend zu rein kaufmännischen Entscheidungen geht und die Techniker vom Betriebshof an Entscheidungskraft verlieren. LAWO hat es aber auch nach Jahren ohne Geschäftsbeziehungen immer wieder geschafft, zu den Verkehrsbetrieben als Lieferant zurückzukehren. Wir, als Unternehmen mit mehr als 25 Jahren Erfahrung, verfügen über ein enormes Wissen über den Markt und die Technik. Schlussendlich stehe ich mit meinem Namen persönlich für Kontinuität: Ich bin mit einer lediglich dreijährigen Unterbrechung seit 1990 für LAWO in unterschiedlichen Positionen tätig.
 
Nahverkehrspraxis: Sowohl die stationäre als auch die mobile Fahrgastinformation im Bus- wie im Schienenbereich hat sich in den letzten Jahren technisch stark zu so genannten „Multifunktionsdisplays“ weiter entwickelt. Wohin wird der Weg Ihrer Ansicht nach führen und wie ist LAWO darauf vorbereitet?
Reich: Wir sehen bei der Fahrgastinformation eine Verschmelzung mit der Netzwerktechnik aus dem Homeoffice-Bereich. Unsere Kunden verlangen mehr und mehr Hardware und Funktionen, die sie aus dem Consumerbereich kennen. Unser neuer Stretch-Infotainment-Monitor ist ein Beispiel für so ein Produkt: Es handelt sich dabei um ein sehr breites LC-Display, das aus einem konventionellen TV-Panel herausgeschnitten wird und für unsere Anwendung –hochauflösende breite Infotainments in der Größe zweier 19-Zoll Displays zur mobilen Verwendung – angepasst wird. In diesem Zusammenhang haben wir WLAN-Hotspots in Bussen realisiert und ermöglichen somit Fahrgästen mit Smartphones das Surfen mit hoher Datenrate im Internet. Wir erweitern derzeit auch unsere Serverkapazitäten, um unseren Kunden die Möglichkeit zu bieten, ihre Fahrzieldaten nicht nur bei uns pflegen zu lassen sondern auch zu hosten. Nebenbei bieten wir ihnen mit unserer Server-Infrastruktur eine größtmögliche Verfügbarkeit und Datensicherheit. Multifunktionsdisplays sind also nur der Anfang der Netzwerktechnik in den Fahrzeugen des ÖPNV. LAWO wird den Reisenden Fahrgastinformationen auf mobilen und stationären Anzeigen oder individuell auf Smartphones zur Verfügung stellen. Wir werden dazu die Hardware, Software und die entsprechenden Inhalte liefern.
 
Nahverkehrspraxis: Informationssysteme von LAWO sind inzwischen in über 20 Ländern im Einsatz. Welche Bedeutung hat der Auslandsmarkt für Ihr Unternehmen, das seine Produkte ausschließlich in Deutschland entwickelt? Welche Projekte – national und international – führen Sie aktuell durch oder sind geplant?
Reich: Mit dem Einstieg von LLCP haben wir unsere Entwicklungsaktivitäten neu koordiniert. Wir führen regelmäßig gruppeninterne Entwicklerkonferenzen durch, um uns abzustimmen und das Rad nicht an jedem Standort neu zu erfinden. Unsere Kunden profitieren dadurch von einem höheren Innovationstempo und einer Vielzahl an neuen Produkten, die wir u. a. im Oktober auf der Busworld in Kortrijk präsentieren werden. Ohne die internationale Entwicklungskoordination wäre das so nicht möglich. Der Exportmarkt ist für LAWO sehr wichtig. Wir haben die Wachstumsraten auf unserem Heimatmarkt weitgehend ausgereizt und sind durch unsere Marktführerschaft angreifbar geworden. Dem stellen wir uns. Wir haben im Sommer unsere Exportabteilung personell verstärkt und wollen aus einem starken Auftritt auf unserem Heimatmarkt den Export wieder verstärkt anpacken. Wir haben international einen guten Ruf, sind jedoch in den zurückliegenden Jahren im Ausland nicht aktiv genug gewesen. Unser neuer Eigentümer lässt uns hier genug Freiheit und unterstützt unsere Exportaktivitäten indem er die hierfür benötigten Investitionen genehmigt. Wir beteiligen uns an großen nationalen und internationalen Ausschreibungen, bei denen wir sowohl als Generalunternehmer für stationäre und mobile Systeme mit einem entsprechenden Softwareanteil wie auch als reiner Komponentenlieferant für Fahrgastinformationssysteme auftreten. Die Zeiten, in denen LAWO ausschließlich Fahrzielanzeigen verkauft, sind vorbei.
 
Nahverkehrspraxis: 2010 erzielte LAWO einen Umsatz von knapp 22 Millionen Euro. Wie schätzen Sie die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten des Unternehmens ein?
Reich: Wir haben uns in den letzten Monaten eine Reihe von neuen und innovativen Produkten ausgedacht, die uns helfen werden zu wachsen. Dabei denke ich nicht nur an Hardwarekomponenten, sondern vermehrt an Dienstleistungen und Software. Die Zeiten, in
denen unsere Branche mit „LED An/Aus“ Geld verdienen kann, gehen zu Ende. Wenn Sie den weltweiten Trend zur Urbanisierung betrachten, sehe ich ausgezeichnete Chancen als etablierter Hersteller in diesem Markt mitzuwachsen. Wir haben vor fünf Jahren den Entschluss gefasst im Bahnbereich Fuß zu fassen. Heute erzielen wir bereits mehr als 10% unseres Umsatzes in diesem Geschäftsfeld, Tendenz steigend. Dort ist branchenspezifisches KnowHow gefragt. Das legen Sie sich nicht über Nacht zu – das muss wachsen und ist heute ein Teil der LAWO-Firmenkultur.
  
Nahverkehrspraxis: LAWO wirbt mit Umweltpolitik als einem Schwerpunkt seines Handelns. Was ist darunter zu verstehen?
Reich: Wir haben 2009 die Umweltnorm nach DIN/ISO 14001 erlangt. Seit jeher ist Umweltschutz ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Unternehmenspolitik, so dass die Zertifizierung in erster Linie eine organisatorische Umsetzungsmaßnahme im Unternehmen
war. Die wahre Herausforderung liegt jedoch im energiesparenden Produktdesign. Denken Sie an die Einführung der Euro 6-Norm oder im Bahnbereich an die massiven Anstrengungen bezüglich Einsparung von Gewicht und Strom. Die Hybridtechnik ist bei Bussen massiv auf
dem Vormarsch, da der Einsatz dieser Technologie im innerstädtischen Betrieb mehr Sinn macht als beim Individualverkehr. LAWO hat die komplexen Zusammenhänge der Hybridtechnik für Fahrgäste auf seinen Infotainments visualisiert. Wir sind derzeit dabei, neue leichtere Materialien für Gehäuse zu testen und wollen diese neuen Gehäuse im nächsten Jahr dem Markt präsentieren. Bei LED-Anzeigen setzen wir seit einiger Zeit hellere und gleichzeitig weniger stromverbrauchende Leuchtdioden ein. Darüber hinaus arbeiten wir gemeinsam mit einer Hochschule und einem Partner aus der Industrie an einem bipolaren Display, das stromlos das Fahrziel anzeigt. Von LAWO wird es in dieser Hinsicht viele Antworten auf gerade erst entstehende Fragen geben. Wir haben uns zum Ziel gesetzt bei den Entwicklungen am Markt führend zu sein. Zusammen mit den eingangs erwähnten Softwarelösungen werden wir einen entscheidenden Beitrag zu allzeit verfügbarer und aktueller Passagierinformation leisten.
 
Quelle:
Ausgabe 10-2011